Thomas M. Ruthemann

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August 2001

Geschrieben von Thomas M. Ruthemann

O.K. Tough Shit. Ja Freunde, es geht mal wieder voll ins Eingemachte. Denn obwohl der große Chef der Rocker mir diesmal reichlich Zeit gelassen hat, diese traurigen Zeilen in harter Nachtarbeit und unter Aufsicht der Sklavenhalter des heiligen römischen Reich..., ääh - Mist, verplappert. Aber echt, es ist besonders albern zur Zeit (oder zurzeit, wieman  es jetzt schreiben tut) sich mit einer Terminvorschau in irgendeiner Weise zu beschäftigen, denn es gibt ein Phänomen, das größer als Blitz, Hagelsturm und Präsident Bush ist. Es ist das Sommerloch. Jawohl, ich weiß es ist ein Schock. Wenn Sie, Freunde des feinen Taktes, diese Hochglanz-Postille am Platz Ihrer Wahl gegen Mitte August abgreifen, dann ist es unvermeidlich und bitter. Nicht nur ist Ihr Kommunist, ääh Kolumnist immer noch Junggeselle, nein sorry Single, sondern es haben auch alle Veranstalter von CeBIT-City entschieden, daß keine Livemusik stattfindet. Tough indeed!

Dazu kommt im Moment eine unerträgliche Sommerhitze, die nur komplett verrückten Menschen als »schönes Wetter« bezeichnet wird. Und mir den letzten Rest der Konzentration raubt, Fehler über Fehler, die Birne wird weicher und weicher und... der Satz macht schon jetzt gar keinen Sinn machen. soweit ist es gekommen.

Dazu kommt die schier unerträgliche Ignoranz und Arroganz städtischer Stellen, die offenbar diverse Traumata ihrer Jugend aufarbeiten und zwar uns Herrenhäuser Bürger mit wochenlangen Kleinen Festen im Großen Garten, den gemeinen Südstädter mit Maschseefestfröhlichkeiten und bedauernswerte Oststädter mit schrecklichen Lister-Meile-Festen quälen lassen, aber dem BAD nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen.Toll. Echt zum Kotzen, daß einzelne Bürger unserer weltoffenen Stadt ganze Kulturstandorte in Gefahr und in die Pleite treiben können. Beim BAD fängt es an, beim Bei Chez Heinz geht es weiter, das neuerdings beweisen muß, was das Besondere an Livemusik ist und wo gebeutelte Gäste um 22 Uhr wie Vieh vom Gelände getrieben werden während das Feuerwerk in den Herrenhäuser Gärten zum 163. Mal in diesem Jahr über die Menschheit hereinbricht. Ganz super toll!
Noch ein paar üble Wochen so weiter und die alternative Club- und Live-Szene dieser Stadt ist endgültig am Ende. Im Kommunalwahlkampf sind dann Der Hannoveraner und Grüne gerne bereit, mal für eine halbe Stunde ihr Gesicht im BAD abfotografieren zu lassen, aber so richtig was bewegen tut niemand. Klar, alle halten sich nur an die Gesetzeslage. Was sonst. Wo schon jeder Juristenstudi im ersten Semester lernt, daß die interpretiert werden müssen, können und sollen. Mein Vorschlag ist ein ganz anderer: Nehmt 50 Mille (im Stadthaushalt ein Scheiß) und gründet ein kleines Gremium aus Journalisten und Veranstaltern. Das vergibt pro Jahr einen 1. bis 3. Preis für das beste Programm - 20.000 für die besten, jeweils 10.000 für die beiden Runner Up. Das spornt an, macht vielleicht Mut zum Risiko bei den Club-Chefs und bereichert unsere Landeshauptstadt wirklich. Das wäre mal wirklich eine Maßnahme. Aber was träume ich.

Und dann muß gar noch der beste Vinyl-Schuppen der Stadt dicht machen, Musicland schafft es nicht mehr. DAS ist echt ein Verlust, nee, eigentlich eine Katastrophe. Wo sonst konntest Du, werter Freunde fremder Töne, einfach hingehen, Erich, Ralf oder Wolfgang nach irgendetwas fragen, worauf die blitzschnell sagten »klar, ist auf blubb blubb von 19..., ich hole sie Dir«. Das ist der Gipfel des Service, das der allerallerbeste Laden, den diese Musikkommune je ha(te). Zugegeben ,ich habe in letzter Zeit auch kaum noch Silberlinge für Silberlinge hingelegt, doch wenn, dann bin ich schon aus lauter Solidarität in die Nordmannpassage gegangen. Ist doch Ehrensache. Brennen, Media Markt  und WOM gar nicht schön. Was für ein dreckstrauriger Sommer. Und dann noch diese Hitze. Wir sind doch hier nicht beim alten toten Bob auf Jamaica! Himmelherrgottnochemal, Depressionen bei Sonne und dann noch das Sommerloch. Wobei so phantastische Ausnahmen davon wie Andrea Marquee (Ende Juli im Gig statt im BAD - o.k., ich sag' schon nichts mehr...) noch weitgehend ignoriert werden. Traurig, traurig, Herrschaften!
So, in nächtelanger Kleinarbeit und immer hart unter der Knute der Aufseher habe ich Ihnen noch ein paar Termine zusammengestoppelt. Gar ein paar Bilder zumindest von einem Veranstalter bekommen (Pech für den Rest), so daß Sie hier keine komplette Bleisatzwüste vom Feintypographen Schubert S-Design vorgesetzt bekommen: Am 18.8. ist nicht nur Samstag (oder ist es »Sonnabend«, teilen Sie mir Ihre Meinung unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. mit), sondern auch Jazz am Ballhof, was sich zu einer veritablen Größe entwickelt hat seit Dave, der gig-Lounger, das Programm macht. Äh, also es spielt ab 12 Uhr After Hours Bossa, Swing und ähnliche sonnenkompatibele Klänge. Abends erinnert Labor-Wirt Pechstein an seinen alten Laden und macht einen Flohcircus-Revival-Abend (übrigens das erste Opfer oben beschriebener Machenschaften) mit Big Balls an den Gitarren.

Am 20.8. ist das Musikzentrum für einen munteren Hardcore-Abend verantwortlich, bei dem Snapcase, Mad Caddies, Rasheed und Oja Rojo den Ton angeben werden. Südamerikanische schön wird es im Diabolo Latino am 23. August, wo der Crooner Juan Manuel die heißblütigen Ladies am Raschplatz animieren wird. Einen Tag darauf stellen meine alten Freunde Buchwald und Gimpel, besser bekannt als Remain In Silence und ist dieser Postille schon groß gefeatured ihre neue CD im Musikzentrum vor, während in der Blues Garage in Isernhagen die Soul Doctors schwarze Töne gesund pflegen. Schon ist's der 25.8. und wieder Sonnabend (oder »Samstag«, teilen Sie mir Ihre Meinung unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. mit) und Sugar Planet, die genialen Braunschweiger Funker, spielen ab 12 Uhr vor dem Ballhof. Abends in der Faust ist Tom Liwa mal wieder mit seinen superpersönlichen Songs an der Reihe und das ist auch nicht gerade schlecht.

Am 27. August heißt es All System Go, wohintersich kanadische Punker verbergen, die im Bei Chez Heinz den Fahrradkeller zum Glühen bringen dürften. auch was für Rocker, liebe Rocker! Richtig genial dürfte es am gleichen Ort am 30.8. sein, wo die Swamp Room Single Party stattfindet, ich zwar auch nicht meinen gleichnamigen Status verlieren dürfte, aber unsere hiesigen Underground-Heroes jedem Besucher eine eigens produzierte Single beim eintritt in die Hand drücken, vollgefüllt mit Musik der heutigen Helden Liquid Zoo und Liquid Vision. Der Hit des Restmonats. In echt.
Womit wir irgendwie und ganz unbestimmt in den Folgemonaten landen, wo auch schon ein paar Highlights festgeklopft sind, die Ihr nimmermüder (außer im Moment, a cuppa - süßer, schwerer Tee mit Milch - muß her!) Kolllmmu,... ääh ja, Kolumnist in wenigen dezidierten (ohne ansatz richtig geschrieben!) Sätzen. O.K., der Satz ist zu lang, aber der Tee wirkt halt nicht so schnell, der bewußtseinserweiternde Effekt braucht schon seine Zeit. Also, Sofa Planet am 1.9. im Musikzentrum, hochgelobte Newcomer, schaunmermal. Am 17. September ist der Ober-Crooner des R&B R.Kelly in der Preussag Arena und das ist echt ein Hit. Schon mal sparen, Mädels! Der 20.9. beschert uns In Extremo im Capitol und auch sieben Tagen später (man nennt es auch in acht Tagen oder eine Woche, oder...???) am 27.9. ist mit Eat No Fish im Faust für solide livemusikalische Unterhaltung gesorgt. Am 29.9. dann gleich zwei Sachen zum Aussuchen: Fisher Z im Capitol und Roxette in der Preussag Arena. Alles für schon etwas gealterte Musikfreunde.Eher für Modernisten dürfte der 2. Oktober mit Air im Capitol sein. Gut! So und noch nach dem bekannten Motto »last not least«: 2. und 3.10. Bernd Begemann, der ewig unterschätzte Songwriter im Faust!
Wir hören voneinander!

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