Thomas M. Ruthemann

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April 2001

Geschrieben von Thomas M. Ruthemann

Hallo liebe Freunde der geziert-gepflegten Nachtmusik und des fröhlichen Trunkes. Der bitterböse Moment der Wahrheit ist da. Unvermeidlich, unmittelbar und unerhört. Ein Skandal quasi an dieser Stelle - da wo Sie ihn am wenigsten erwartet hätten. Sein Sie mal ehrlich?! Die blanke Wahrheit hier und jetzt, mitten ins Gesicht... und direkt aus meinem schlaftrunkenen Hirn in diesen Computer, der gottseidank allein läuft und... blubb. Ja, genau! Bis hierher war alles, aber auch verflucht noch mal alles gelogen, kein Wort wahr. Echt. Ich kann gar nicht schreiben. Konnte ich noch nie, wurde permanent von einem Alien ferngesteuert, der mir alle diese Worte die vielen vielen Rocknews-Kolumnen lang einfach ins Hirn gelogen hat. Rein und ich wie manisch abgetippt. Furchtbar nicht?

Vor allem, wenn ich bedenke, daß diese unerhört schwachsinnige Einleitung auch nicht mal zehn Prozent der üblichen Textlänge gebracht hat, ich beim allerbesten Willen nicht weiß wie die restlichen 90 Prozent zu füllen sein könnten. Quasi ein permanenter Alptraum meinerseits. Sagte ich schon, daß ich mir den Strick nehmen wollte? Oder doch wieder den Schießprügel des US Unternehmens der Herren Schmidt und Wesson, mit Kaliber 45 Magnum, Kopf-weg, Dum-Dum-Treffsicher-Geschossen. Wissen Sie was, Herrschaften? Ich hole mir jetzt erstmal einen Tee. Werbepause.

Dummdüdeldö. Ruthemann - Ja! Robbie Williams telefoniert, Mikka spielt U-Boote vom Himmel holen, Claudia-Kaffee-hinters Ohr-Schiffer taucht fast soviel auf wie Kaiser Franz und Frauen tun so, als ob sie vom Kirschen-in Schoko-Essen multiple Orgasmen kriegen. Während sich locker just zur CeBIT Time der nationale Großserver Strato die ganz große Werbepause leistet. Zur Zeit also auch komplett Essig mit wäwäwä-dot ruthemann-dot-dä-äe. Tja, da muß sich das stets aktive und muntere Kleinhirn schon ein wenig in Wunder-Stellung begeben.

Schließlich, was macht der moderne Kleinbürger ohne seine eigene Domain? Ätschbätsch, ich hätte noch mcrap-Punkt-de bei einem anderen Provider; hä, schlauwiesau! Hat nicht auch Ihre Band, werter Rocknews-Abonnent (brüll, grins, kicher - kleiner Scherz für Chef-Red. Hurdelbrink, was hammwa wieder gelacht!) eine eigene Homepage? Wiewas? Echt! Genau, einmal letztes Jahr eingerichtet, nie aktualisiert und am Neuen Markt schlecht notiert, müllt sie wahrscheinlich wie 16,8 Milliarden anderer das Internet voll und die bringt die New Economy auch nicht weiter. Oh, sorry, Werbepause zu Ende. Dumdideldings, Ruthemann - Ja!

Der Tee ist echt lecker, die Problematik noch immer nicht beseitigt und meine durchaus verständliche Ablösung als Kolumnist des »alternativen konzertkalender« wohl immanent und komplett unvermeidlich. Ich meine, man muß sich nur mal die letzten paar Wortmeter durchlesen! Wirklich! Ist doch alles nur Dummkram, macht hinten, vorne sowie rechts und links einfach überhaupt keinen Sinn.

Andererseits, wenn sich die graue Weichware oberhalb des Getränkeeinfüllstutzens erstmal eingegroovt hat, dann könnte ich doch einfach auch den Rest dieser Zeilen einfach so weiter... Nee, gut ich sehe schon. Ich sollte vielleicht doch mal eine Kontaktanzeige aufgeben, mir einen Hund kaufen und ein solides Kleinbürgerleben anfangen, das könnte dazu führen, daß ich zukünftig ernsthafte Dinge an dieser Stelle schreibe, mir Gedanken über Mäuler und Klauen eigenen Nachwuchs machen könnte, statt krampfhaft zu überlegen wieviel Tonnen Tierkadaver schon meinen bescheidenen Organismus durchwandert haben.

Erwähnte ich schon, daß ich neuerdings neben fleißigem Üben an medizinisch unbedenklichen Geräten eines lokalen Fitness-Studios auch noch die wunderbare Welt des Federballs entdeckt habe? Nee, gut, dann nicht. Und Sabine Bulthaupt ist schließlich auch in die Politik gegangen. Tja, die Wunder dieser Welt gibt es eben nicht nur auf Pro-Sieben um Viertelvoracht. Schön, daß wir uns mal ausgesprochen haben.
Darum auch in aller gebotenen Kürze noch etliche Livetermine für Sie, meine Freunde des elektrisch erzeugten Tons: Das Heinz After Death-Dead Popstars-Festival ist zweifelsohne kein schlechter Start für unsere fürwahr alternative Konzertvorschau. Am 21. April wäre es soweit. Vielleicht sollte ich noch auf Peter Kraus und seine Band am 22. im Theater am Aegi hinweisen oder anderseits doch gleichauf den 23.4. kommen, wo Poems For Laila, eine alte Lieblingsband von mir im Faust spielen - wofür wir hier gleich mal ein Foto spendieren! Zwap und gut. Als Augenmenschen zählen wir ja auf solche Unterstützung der kleinen Elektronen und Eiweißverbindungen und darum auch gleich noch eins von den Turntable Rockers (DJ Fanta, Cola Hausmarke und DJ »Georg« Thomilla mit Sprechgesang und Plattenauflegen) im Capitol am 24. April. Schön nicht?

Im Pavillon am 27. April wären nicht Heino und Angelika Milstner zu hören (nee, die sind beim Frühlingsfest der Volksmusik im Kuppelsaal, humpa, humpa, zick und zack), sondern Archie Shepp in Begleitung weiterer internationaler Jazzgrößen, die Sie sich werte Rockerfreunde ruhig mal anhören könnten! Doch der Knaller kommt ja noch: Nicht nur, daß die ausgesprochen entzückend anzusehenden Goddess Of Desire (noch ein Foto - aber guuut!) am 29.4. im Faust ordentlich aufs Trommelfell geben, nein es gibt am gleichen Abend diiiiiiiie Alternative. DePhazz, meine Lieblinge des ausgehenden Jahrhunderts machen jetzt nicht neuerdings neben coolem Jazz, Pop auch Lovers Rock auf ihrer neuesten CD, sondern auch noch an diesem schönen Tag im Gig live zu erleben. Ganz groß! Wer sie auf der Expo gesehen hat, weiß wovon Ihr Kolumnist so schwärmt.

So, nun zur eigentlichen Meisterschaft in Sachen Konzertvorschau: während es noch März ist beim Schreiben, ist es ab dieser Zeile schon Mai beim Lesen. Wow, was? So um die fuffzehn Termine habe ich unter großem finanziellem Einsatz (Bestechungs- und Schmiergelder sind leider schon länger nicht mehr von der Steuer abziehbar) zusammenbekommen und will mal schauen, ob sich darunter ein paar nette Tips for Top verbergen. Zum Beispiel das Funkjam im Gig am 1. Mai, obwohl doch nur einen Tag zuvor hier Tiga und Wollitsch auch mich in den selbigen Monat getanzt werden haben lassen können dürfen hätten, oder so ähnlich. Scheiß Grammatik. Und noch einen drauf: die sehr angenehme und hier wohl leicht hinverlorene italienische Gesangsdiva Etta Scollo kommt ebenfalls in das Lindener Rathaus, und zwar am 2. Mai. Ganz gut angesagt sind Fink im Moment und daher sollte der Gig (dieses Wort verläßt mich einfach nicht... Hilfe!) am 3. Mai im Labor schon ein kleines Highlight sein.
Am 4./5. und 11.5. sind übrigens die lokalen Halbfinals des Emergenza-Festivals - wie bisher auch im Musikzentrum. Das Regionalfinale kann man dann in aller Breite am 23. Juni im Capitol zu hören bekommen.
Erstaunliche Dinge tun sich, denn DJ Bobo hat sich auch immer noch nicht in sein Schweizer Eigenheim zurückgezogen und kommt mit voller Breitseiten-Show am 13.5. in die Stadionsporthalle, während nur einen Tag später das Capitol kubanisch wird und A Buena Vista mit Barrio de la Habana ruft. Oder so. Also ob ich spanisch sprechen könnte. Kommt mir echt so vor. Sie wissen schon, meine Freunde des Zuckerrohrschnaps, schöne Musik und Mixgetränke. Nun ja. Während es am 17.5. im Labor »Remember Bob Marley« heißt (mit Michael Mitchell und Natty Dread), sind knapp einen Monat später (12. Juni) The Wailers für echt im Faust zu hören. Das letzte Mal war das nicht so übel, ein gewisser Ruthemann war dort im Auftrag des Herrn, um dann in einer großen hannoverschen Tageszeitung darüber zu berichten.

Jetzt dann das Gig-Wort wieder: 22.5. und 23.5. respektive: Erst spielen Sugarman 3, dann auch noch einen Tag darauf N.O.H.A. Was für ein Paket! Zumal am gleichen 24. Mai im Faust auch noch die großen Helden der Vergangenheit Man im Faust ihre Instrumente auspacken. Man glaubt es kaum. Zweifellos ein Muß-Termin als bekennender Fernseh Junkie ist der 29.5. mit Vonda Sheppard in der Stadionsporthalle. Erstklassige Klassiker, mehr muß man da nicht sagen. Oder mal Ally McBeal gucken.  
So Freunde des geistigen Tiefflugs, schnell noch ein paar Highlights des Juni und dann ist Schluß mit lustig an dieser Stelle: 1. Juni Rammstein in der Papenburg, oops, Preussag Arena, an gleicher Stelle The Eagles am 6. Juni sowie am 17.6. reichlich Gleich- und Wechselstrom mit ACDC im Niedersachsenstadion. Wird eine harte Zeit!
Wir hören voneinander!

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