Thomas M. Ruthemann

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Februar 2001

Geschrieben von Thomas M. Ruthemann

Einen geziert hübschen und durch und durch angenehmen »Guten Tag«, wünscht Ihnen, werte Freunde des gekeulten Schweins, Ihr getreuer Kolumnist! Es geht wieder los, hunderte von sinnlosen Sätzen, Wörtern und Bandwurm-Gedanken, die Sie schlicht verwirren sollen, nicht merken lassen, von welcher Inhaltlosigkeit dieser »alternative konzertkalender« eigentlich in Wirklichkeit geprägt ist. Ein dringende inhaltliche wie formale, um nicht zu sagen strukturelle Re-Organisation dieser Zeilen wäre dringend angesagt. Schicken Sie mir doch mal ein paar freundliche Ideen und anmerkung unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. mit Hilfe Ihres sicher vorhandenen und sündhaft teuren 286’er Rechenknechts sowie eines Akustikkopplers. WAS? Sie sind schon weiter? Pentium (»dummdideldö« – kommt immer bei Erwähnung dieses Unworts der letzten zwei Dekaden)? Glückwunsch.

Doch wirklich, man wundert sich – auch der in der letzten Ausgabe unseres feinen Fachblatts herumgreinende Edu Wahlmann ist ja immerhin schon bei einem Atari-Computer angekommen. und tatsächlich kommen alle drei Jahre Gerüchte auf, er würde neu und gestärkt wieder auferstehen – nix, Pustekuchen! Aber mal im Ernst Edu, worüber klagst Du eigentlich letztens? Erstes hatte ich zu gemeinsamen Studienzeiten mitnichten ein englisches Coupe, konnte Dich also darin auch nicht überholen (für Chronisten: es war ein orangefarbener Ford Fiesta), zweitens hast Du jedesmal ein Top-Foto von Dir drin, ich nie, die jungen Frauen werden Dir nur so nachlaufen... Tja, und drittens und vor allem last not least, »Sollst Du Deinen Vorschreiber nicht nachmachen« (11. Gebot des Journalismus). Ich, und nur ich (Hach, Ego-Tripping macht Laune!) bin in dieser Hochglanzpostille für lange und unnütze  Einleitungen zuständig. Punktum!
So, nun muß ich mal kurz unterbrechen, Werbepause, neue Drogen müssen organisiert werden, Cigarillos sind alle, schwerer englischer Tee (mit Milch und viiiiel Zucker) leer getrunken. Dödeldödeldie. TMR, ja! Das isser wieder:
Die unendliche Schwere des (Da-)Seins ist übrigens mal wieder erdrückend. Wo ich nun schon aufgegeben habe, Ihnen ,meine Freunde des Prionen-belagerten Rinds, über meine Beziehungslosigkeit im allgemeinen und besonderen zu klagen – bleibt doch nachwievor die echte Konsequenz, daß ich in meiner Lieblingskoffeinverklappungsgastronomieeinheit, bei den hochklassigen Service-Fachkräften wie Nina,Miri, Christiane oder Gabi immer gleich den großen Eimer Wasser ordere, wenn frisch verliebte Paare mal wieder nicht den Weg zu ihm oder ihr finden. Herrschaften, denken Sie doch mal an einsame, mit der Midlife-Crisis gebeutelte Musikjournalisten, die dieses gegenseitige Ansaugen im Gesichtsbereich einfach nur anwidert. So, Klasse, diese Sätze waren nun echt viel zu lang und wer ihnen von Anfang bis Ende ohne absetzen folgen konnte, gewinnt den diesjährigen Leser-Erfolgspreis des Deutschen Rockjournalismus.
Aber Schluß jetzt, Neid-Maschine aus, Wassereimer in die Ecke, das Geschäft geht los, Termine wollen genannt werden. Redaktör Hurdelbrink war mal wieder von unglaublichem Optimismus geprägt, was den Erscheinungstermin betrifft, Grafikgroßmeister Rüdiger S-Design wird wahrscheinlich wie stets bei Brot und Wasser so lange festgehalten bis alles beim Drucker ist und dort mit neunschwänzigen Peitschen die Facharbeiter an den Heidelberg-Vierfarben getriezt bis das Blut kommt.
Also dann: Am 18.2. ist Joachim Witt im Capitol, der (so Fachblatt Prinz) »teutonische Lagerfeuerromantik« verbreitet, was aber der Wahrheit zweifellos ziemlich nahe kommt. Am 20.2. springt man im Gig auf den verspätet einfahrenden Expo-Zug und hat dort StringmanSassy engagiert, die während des letzten Jahres für ausdauernde Unterhaltung im und am australischen Pavillon sorgten. Gesang und Gitarre für die Aussies, lustige Reime und HipHop für uns Norddeutsche, wenn Fünf Sterne Deluxe am 21. Februar im Capitol aufschlagen und fett den Rap rappen. Das ist dieser Zeitschrift der musikalischen Excellence sicher ein Foto wert, was ich der e-mail-Übertragung an die Grafik-Abteilung damit andienen möchte – selbst gescannt und bunt (erscheint aber wohl wieder schwarz-weiß, tja, gespart wird wo geht, selbst an Cyan,Magenta und Yellow).
Am 23.2. gibt es hübschen Undergroundrock aus London, England inna Glocksee, wenn dort die Flaming Stars zu später Stunde antreten. Und mindestens genauso früh am grauenden Morgen im Gig gibts Hometrainer mit entzückendem Retro-Future-Elektronica inkl. Techno-Extrakten. Ruhig, ruhig, Platz! Diese Beschreibung ist nicht, ich betone nicht, meinem teegetränkten Hirn entsprungen, sondern tatsächlich nachzulesen. Das freut meine Prionen-geschwängerten grauen Zellen und ist darum ein weiteres Foto wert, was ich bitte hier abzudrucken wünsche. Tja, man wird vorsichtig, Redakteure und besonders die Persönlichen Assis Heckler & Koch machen einem gebeutelten und depressiven Schreiber schon manchmal schwer Angst ums nackte Leben.
O.K., 24. Februar, Anno Domini 2001, ist Drum und Bass in der Glocksee, wo die bestens bekannten Phoneheads ihre 2. Album »Second Sight« (sic!) vorstellen werden. Mousse T. legt an jenem Abend übrigens im Beethovensaal Platten auf. Könnte auch ganz nett sein. Am 25.2. singen die Flying Pickets im Pavillon, was Freunde der gekonnten Töne sehr erfreut und der Nachholer des letztens ausgefallenen Konzerts ist. Daß Udo Jürgens am 27. in der Stadionsporthalle ist, wird Sie, meine Freunde des glattgebügelten Punks, wohl kaum weiter betreffen, ich wollte es nur mal gesagt haben. Denn zuck und ruck landen wir jetzt schon im Monat März:
Manchmal ist es schon von besonderer Schwere, zu erkennen, wie schnell und quasi rasend die Zeit vergeht, Godot hat auch keine Geduld mehr und der März ist voll mit Terminen, daß wir hier wohl kürzen müssen. Sorry, Freunde des ausufernden Poptons, ab jetzt geht es im Schnellwaschgang, Turbo ist »On«... Am 7.3. spielen Blind Passenger im Faust und am gleichen Abend ist man im Bei Chez Heinz geneigt (Obacht, Rockerfreunde, Hallo!), sich der Saiten hinzugeben, wenn es dort Absaitz heißt. Nur einen weiteren Tag später ist Uncle Ho im Faust unterwegs und erneut 24 Stunden drauf (wer aufgepaßt hat, wir sind am 9. März) sind Recorder bei Aufnahmen im Gig – oder vielleicht spielen sie auch nur ab, schaun Sie mal hin.
Am 13.3. geht es am gleichen Ort mit dem jazzigen Lisa Bassenge Trio an den Start und der 14.3. ist für Pavillon-Programmatiker Gerd eine Wieder-Wiederholungstat, denn Klampfer und Geschichtenerzähler Julian Dawson kommt zum jährlichen Konzert an den Weißekreuzplatz. Ebenfalls an diesem fröhlichen Abend können Freunde der modernen Reimtöne die Söhne Mannheims im Capitol erleben, was zu massigem Besuch ob der aktuellen Chart-Hits führen sollte. Aber man weiß ja nie, mir- und dirnichts sind die nicht mehr fett sondern out. Ist ja noch so lange hin. Die Letzte Instanz (was wir nicht hoffen wollen) können Musikfreunde am 15.3. im Faust anrufen und am 17.3. ist das Mega-Event des Monats mit Tom »Tiger« Jones in der Stadionsporthalle. Wer da nicht hingeht, wird mit mp3-Entzug und Kappen des Internet-Zugangs nicht unter 17,4 Jahren bestraft.
Der 20.3. hat eine Gruppe namens Begoo im Programm, die im Gig spielen, aber zumindest Ihrem unwissenden und grundoffen Kolumnisten komplett unbekannt sind. Am 21.3. ist mit Hubert von Goisern im Pavillon zu rechnen und der 23.3. sicher einen Besuch im Theater am Aegi wert, wo die Jazzkantine Tänzer und so engagiert hat und zur Tanzzkantine mutiert. Am gleichen Abend im Gig ist Spazzacamino-Time und das ist auch nicht zu verachten. Einen weiteren Abend darauf geht es im Bei Chez Heinz schwer zur Sache, denn Bands mit den wuchtigen Namen Antichrist und Warhead besuchen den Fahrradkeller im Fössebad. Ohrschutz nicht vergessen!
Der 26.3. besorgt es uns mit Eläkeläiset (Schwitz, keuch, ich habe es geschrieben, erschöpft sinke ich in den neu erworbenen Bürostuhl zurück, gut, das er Mechanik hat..., ok, weiter: TMR, ja!) und am 29. März dräut es lustig durchs Capitol, wenn Project Pitchfork die Synthies auspackt. So, zu Allerletzt noch mein Auswärtstip hoch drei: The Pharcyde am 5. März – man glaubt es kaum – im 4 Linden in Hildesheim. Schwarzmusik-Jünger werden Sonderzüge ordern!
Wir hören voneinander!

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