Thomas M. Ruthemann

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Dezember 2000

Geschrieben von Thomas M. Ruthemann

Einen ganz entzückenden und liebreizenden »Guten Tag« wünsche ich Ihnen, werteste aller Musikfreunde. Auch zum zwölfhundertvierundsechzigsten Mal wünscht sich die Redaktion einer gewissen Zeitschrift, die sich hauptsächlich mit Rockmusik beschäftigt, daß ich Ihnen einige profunde Tips, Trends und Themen für die nächsten Wochen und Monate schriftlich mitteile. Gerne will ich diesem Ansinnen Rechnung tragen (und auch anschließend eine schreiben). Nicht ganz umsonst soll die mir seit Jahren erworbene Fertigkeit im Anlegen von Sätzen sein, und jetzt verstärkt und quasi fokussiert zum Einsatz kommen, um Ihnen nun im Anschluß an diese grundsolide Einleitung mit verbalem Wirrwarr und unglaublich langen Bandwurmsätzen das Leben näher zu bringen und schwerer zu machen _ und sei es auch nur das kulturelle. Ganz genau, ich habe wieder keine Drogen genommen. Und das ist das Ergebnis.

Ab hier gehts jetzt anders los, Ihr ollen Rocker und Leser. Aller Schnickschnack aus der Einleitung ist jetzt vorbei. Essig, Feierabend, Sense. Ab jetzt wird wieder gelogen, erfunden und gegrantelt, was der olle Apfelcomputer und mein Dreifinger-Schnelltippsystem hergeben. Habe mir außerdem gerade eine schwere Tasse englischen Tees eingegossen, ganz viel Zucker genommen und auch noch Milch draufgegossen. Britisch halt _ »a cuppa«, wie die Freunde von der großen Nordseeinsel so gerne sagen. Für Drogenkonsum ist also auch gesorgt. Die Zigarre brennt und...
Sicher erwartet Ihr, liebe Freunde des feingeputzten Tons, daß jetzt wieder Jammereien aus meinen nicht vorhandenen Liebesleben zu lesen sind. Nix da, Pustekuchen! Da geht euch gar nichts an. Ich finde schon Möglichkeiten, diese Zeilen zu füllen. Grafiker Rüdiger hat zugesagt alles einen Punkt größer zu setzen, da brauch ich auch nicht so viel zu schreiben, was ich wieder höchst tröstlich finde. Doch, das Leben kann schön sein. Und wenn der Presse-Zugang von AOL mal zur Abwechslung wieder funktioniert, werde ich ihm die Fotos und diesen Text in diversen Dateiformaten auch in wenigen Stunden direkt auf seine WINdoof-Kiste zu stellen. Die Technik von heute ist schon ein Wunder.
Nur knapp vor diesem Tag des vollmundigen Schreibens erreichte mich Fax und AB-Nachricht von Antje, ihres Zeichens Mitarbeiterin des hannoverschen Konzertmoguls Achim Brandau, um darauf hin zu weisen (was schreibt man da eigentlich wie zusammen und auseinander??)... Ich möge doch jedenfalls sagen, daß die Anmeldefristen für das Emergenza-Festival 2001 noch bis weit in den Januar verlängert wurde, um diesem  internationalen Newcomer-Wettbewerb noch mehr gute Bands zuzuführen. die bisherige Bilanz dieser Veranstaltung sieht gut aus: 1.200 Konzerte, ca. 2,4 Millionen Zuschauer... in 2001 werden 27 Städte in 11 Ländern Europas teilnehmen. klar, Hannover ist wieder dabei, aber auch das Umland darf Regionalwettbewerbe veranstalten (Celle, Hameln, Osnabrück und Bremen). Also ran, Freunde des Poptons, ein Showcase in L.A. (ob mit oder ohne Präsident) winkt als Hauptattraktion. Anmeldung unter www.emergenzarock.com oder bei Living Concert (0511) 368 14 86 (Fax). Gemacht. Ich bin groß.
Wie auch der unerhört unnachgiebige Einsatz meiner Muskulatur bei einem hannoverschen Fitness-Studio, was nicht nur das Einsteigen in mein englisches Coupe enorm erleichtert, sondern auch nach zehn Jahren faulem Rumstehen in Diskos und Kneipen jetzt auch wieder einen Ansatz von Taille oberhalb der Gürtellinie auftauchen läßt. Sicher Jogging, wie das bedächtige Laufen in der Landschaft auch noch heißt, wäre nicht übel in dem Zusammenhang _ aber da bricht jedesmal wieder meine alte Kriegsverletzung auf und ich muß aufhören. Schwimmen wurde mir ebenfalls von gutmeinenden Mitmenschen ans verfettete Herz gelegt, doch ehrlicherweise (und wir sind doch hier unter nous, wie der Franzmann sagt) ist mir das Wasser viel zu nass und schließlich auch gar nicht gut für den dann schwindenden Säuremantel der Haut. Zweimal am Tag duschen läßt die Haut altern, meine Damen! Diese neue Agilität im Auge habend, wurde dann von mir auch gleich noch der bequeme italienische Kleinwagen mit Servolenkung verkauft. Da muß man schon konsequent sein.
Keine Frage auch, daß wieder Spekulationen über den Erscheinungstermin dieses Illustrierte an den Beginn einer unglaublich langen und sinnlosen Konzertvorschau gehören und damit die für mich belastende Frage, ab wann ich mit einer Vorschau beginnen soll. Als Optimist, trotz Herbst- und drohender Winter-Depression, der ich bin, lege ich mal mit André Rieu am 15.12. los, welcher die Arena am Ex-Expo-Gelände füllen dürfte und denn auch notfalls wegen Überschreitung der Termine sang- aber leider wohl nicht klanglos unbeachtet bleiben kann. Verweisen wir also dann doch lieber auf die Rocker von Jellinek, die am 16. des gleichen Monats im Faust spielen und als upcoming artists (schön solche Begriffe) gelten. Ich persönlich favorisiere an diesem Tag allerdings doch den wunderbaren schrägen Lo-Fi-Popkünstler Lotte Ohm, der mit »17 Grad« eine schöne CD vorgelegt hat und an diesem schönen Tag im Gig musiziert. Das Foto als Zugabe dazu.
Im Bei Chez Heinz ist ein Stopp am 18.12. fällig, wo amerikanische Popkünstler mit dem feinen Namen Lady Luck gastieren. Und freuen können wir uns auch auf den britischen Super-Sound-Künstler Craig David, der dem TwoStep zugerechnet wird, eigentlich aber Soul oder R&B macht und am 21.12. im Congress Centrum Hamburg singen will. Könnte eine Reise in die nördlich von Hannover gelegene Hafenstadt wert sein. Ganz bestimmt wert den Eintritt (und der ist im Gig ja traditionell taschengeldfreundlich) ist jedoch das Konzert von Spherical am 22. Dezember. Tolle Stimme, tolle moderne Popmusik, tut lohnen. Nur der Manager ist ein ulkiger Typ, aber das ist eine andere Geschichte. Tja, ein paar Geheimnisse müssen auch bleiben, werte Freunde des gehobenen Pop Sounds.
Am 24. ist bekanntlich nicht Ostereier-Sammeln angesagt, sondern auch Zipfelmützentag und Gelegenheit den fetten Braten von Mami und Pappis Abendessen beim hilflos überfüllten Traditionskonzert der Band von Weihnachten im Pavillon auszuschwitzen. Feinsinnigere Menschen suchen da das Gig auf und hören der fröhlichen Weisen von Jon Bon Deppe zu. Die gar nicht fein- und überhaupt sinnigen Musikfans sehen sich am 25. Torfrock im Capitol an oder aber gehen zu Darryl Pandy, der im »Roten Salon« im Beethovensaal des Pleiten- und Zuschuß-Congress Centrum Hannover musizieren wird. Am 26.12. dann mal wieder der Kölner Proll Zeltinger im Musikzentrum und am gleichen Ort am 28. ein »Ska-Allniter«, unter anderem mit Schwarz auf Weiß und Eastern Standard Time (1. Preis für den Bandnamen _ was will uns der Künstler hier sagen??).
Nicht genug damit, ist am 29.12. dort auch noch Konzert mit der deutschen Punk-Legende Hass und als Support wurde Molotow Soda engagiert. Was gleich zwei Fotos wert sein soll, um zu bemerken, daß Hass gar nicht hassig aussieht und der Support offenbar kurz vor der Revolution steht _ die Molotow Cocktails haben sich augenscheinlich schon verstärkt angesammelt. Doch Freunde _ Hallo! _ Soda ist ohne Wirkung beim  Abfackeln der Bourgeoisie, prickelt bloß auf der Zunge. Denkt noch mal drüber nach. Womit wir schon am Jahresende angelangt sind, das ewige Theater um »Was-mache-ich-nur Silvester?« und wie schreibe ich es (Sylvester, Sielväster oder Siehlwester?), beginnt von Neuem _ nur der Millennium-Kack von letzten Jahr entfällt. Ihr Kolumnist, meine Freunde der Schwarzmusik, wird einige Stündchen Musik in seinem Lieblings-Bistro auflegen und einen oder zwei alkoholische Getränke zu sich nehmen. Mezzo, if you want to know.
So jetzt also im Schnelldurchlauf, Kochwaschgang, ohne Schleudern, noch ein paar Tips fürs folgende, aufkeimende und unvermeidliche Jahr 2001: Im Faust am 6.1. The Busters mit fettem Ska, E-Blues mit Bernard »Sohnemann« Allison im Capitol. Im Pavillon amüsieren wir uns am 19.1. mit Ethno-Rhythmik bei der Rabih Abon Khalil Group (gut, daß wir's geschrieben haben) und sind geduldig einen Tag darauf, wenn J. van't Hoff mit Pili Pili ebenfalls und zum 123. Mal an diesen Ort kommt. Gut, daß der diesmal einen Zulu-Choir singenderweise dabei hat. Am 26.1. freuen wir uns Blümchen (ich werde da sein Jasmin, Schatz!) im Capitol. Und jetzt der Hammer: Status Quo am 29.1. in der Stadthalle Braunschweig. Rocker, macht die Benzinkutschen fertig, da müßt ihr sein.
Im Februar (21.2.) dürften Fünf Sterne Deluxe im Capitol ein Highlight sein. Im März dann aber kein Vertun: Tom Jones in der Stadionsporthalle am 17.3. Wer das nicht sieht, hat selber schuld!!! So Rüdiger, hat gereicht, kannst die Schrift wieder normal groß machen...
Wir hören voneinander!

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