Thomas M. Ruthemann

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The Wailers

Eines war bei diesem Wailers-Konzert wirklich zu 150 Prozent authentisch: Die Atmosphäre war so dick wie drei Kilo Zuckerwatte, so dass neu hinzukommenden Fans in der 60-Jahre-Halle des Faust erst einmal eine feuchtwarme, klebrige Wand entgegenschlug, die jamaikanischen Verhältnissen alle Ehre machte. Doch kaum tropften ein paar Takte ins Ohr, waren die unschönen Begleitumstände schon vergessen. Denn was diese Band mit ihrer Mischung aus alten und neuen Musikern produzierte, war Jamaika-Musik vom Allerfeinsten. Wie die Besetzung, so auch die Mischung der Musikstile – grossartiger Ska aus den späten sechziger Jahren, mit fantastisch messerscharfen Bläsersätzen, liess sich da ebenso hören wie der Reggae der siebziger oder sanfte Poptöne der achtziger und neunziger Jahre. Das hatte nur an wenigen Stellen etwas Nostalgisches (klar, die Hits mussten sein) – war in dieser Besetzung ganz deutlich keine Wir-lassen-Bob-Marley-wieder-auferstehen-Kapelle. Eige-ne Stücke, verbunden mit prall-präsenter Qualität auf allen Positionen der zehnköpfigen Wailers-Band, verdeutlichten das unerhörte Niveau der seit den Sechzigern aktiven Kollaboration der Besten dieser Karibikinsel. Den trotz Sauna-Bedingungen tobenden und sich türmenden Fans war das nur recht, mitgesungen wurde bei den Standards, gejubelt bei allen anderen Songs – da waren die von Meister Marley stets beschworenen "positive vibrations" prägnant zu spüren. Sicher, ein bisschen Kult wird mit dem toten Übervater schon gemacht, aber das ist ganz und gar unnötig, The Wailers sind eigenständig genug – und vor allem gut genug, einen eigenen Weg zu gehen, der sie auch nach vielen Jahrzehnten mit Niveau und Format weltweit in eine ganz vorderste Reihe stellt.

Zusätzliche Informationen

  • Datum: 09.08.1999
  • Ort: Faust

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