Thomas M. Ruthemann

Text-Archiv

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Trio Mocotó

Die ultramodernen Disk Jockeys des Nu Jazz und der leichtfüssigen Brasil-Connection wußten diese Südamerikaner schon länger zu schätzen. Darum tauchen sie auch mit schöner Regelmäßigkeit auf den in den letzten Jahren beim musikkaufenden Pub-likum so beliebten Samplern auf. Die Rede ist von Trio Mocotó, deren eigentlich Hochzeit allerdings satte 30 Jahre zurück liegt. Nun haben diese Helden des überschäumenden Sam-ba-Gefühls sich im letzten Jahr überzeugen lassen, doch noch einmal aktiv zu werden – nach 26 Jahren eine neue CD aufzunehmen. Und die eigentliche Überraschung ist, dass es so frisch wie in den siebziger Jahren klingt – egal, ob auf "Samba Rock" oder dem überragenden Konzert im Musiktheater BAD. Die schon etwas gealterten Protagonisten legen dabei ein Tempo an den Tag, dass selbst dem geübten Konzertbesucher schwindelig wird. In zwei mitreissenden Sets strömen sie Energie aus, dass die Blitze fast zu sehen sind, mischen in echter Siebziger-Tradition ganz unbekümmert nordamerikanische Einflüsse von Soul und Funk, Jazz und Rock mit den so einprägsamen Rhythmen des brasilianischen Samba und Bossa zu einem herzerfrischenden Cocktail. Kein Wunder denn auch, dass die leider zu wenigen Fans (wo waren eigentlich die vermeintlich hippen Leute, die immer so trendbewußt sind?) schon ab dem zweiten Stück nur noch tanzten und johlten, als ob eine Offenbarung sie ereilt hätte. Tatsächlich muß an dieser unwiderstehlichen Mixtur mehr sein als ein Faible für nostalgische Samba-Soul-Klänge, wenn selbst der durch tausende Konzerte gestählte Tonmixer anfängt in den Knien zu wippen. In geradezu infektiöser Manier wird der Staub der letzten Jahrzehnte von einem Donnerwetter guter Takte und Töne davongeblasen, präsentiert in ungemein charmanter Art. Die Herren poussieren ein wenig mit den tanzenden jungen Damen der ersten Reihe, überwinden in sehr gebrochenem Englisch die Sprachbarriere und wissen aber am Schluß und nach fast zwei Stunden schweißtreibender Wohlfühl-Musik doch noch ein verschmitztes "Brasilien wird gewinnen" unterzubringen. Alles Quatsch! Die wahren Gewinner sind eindeutig Trio Mocotó.

Zusätzliche Informationen

  • Datum: 27.06.2002
  • Ort: Musiktheater BAD
Mehr in dieser Kategorie: « Afrika Bambaataa Therapy? »

Zufällige ausgewählt:

  • The Busters Zusätzliche Informationen
    • Datum 28.12.2002
    • Ort Faust




  • Jelly Planet Zusätzliche Informationen
    • Datum 10.04.2003
    • Ort Gig




  • Sweet Charles Sherrell Zusätzliche Informationen
    • Datum 04.02.2004
    • Ort Palo Palo




  • Catatonia Zusätzliche Informationen
    • Datum 21.11.1999
    • Ort Altro Mondo




  • Slut Zusätzliche Informationen
    • Datum 12.01.2003
    • Ort Faust