Thomas M. Ruthemann

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Linton Kwesi Johnson

Dieser immer etwas betulich, ja ältlich wirkende Gentleman betritt die Capitol Bühne und hat sofort sein Publikum im Griff. Keine grosse Geste, kein Brimborium um seine Person. Linton Kwesi Johnson, eine der einflussreichsten und originärsten Stimmen des farbigen Britanniens hat das auch nicht nötig. Seine Dub Poetry hat derart viel Kraft, dass sich der Künstler selbst so beeindruckend weit zurücknehmen kann. Es folgt eine knappe Stunde lang ein bekanntes Stück dem nächsten, stets voller Wut und Unverständnis über die Zustände im Vereinigten Königreich. Sicher, die erwähnten Namen, auch der Politiker, machen deutlich, dass es sich vornehmlich um Ereignisse der späten Siebziger / frühen Achtziger handelt, als es galt die harte Zeit der Thatcher-Regierung und ihrer Folgen zu überwinden. Doch trifft es einen wie ein Donnerschlag, wenn Johnson, den zwanzig Jahre alten Anti-Faschismus-Song intoniert: „Smash Dem Brains In“ - alles noch so grauenvoll aktuell. Das ist es: die Namen mögen nicht mehr stimmen, aber die sind ganz deutlich austauschbar und letztendlich unwichtig. Seine mit weicher Stimme im Patois (dem englisch-jamaikanischen Sprachmix) vorgetragenen Texte platzen vor Stimmung und Aufrichtigkeit für eine leider noch immer nicht überwundene Situation - nicht nur - auf der grossen Insel in der Nordsee. Geradezu blind folgt die Dennis Bovell Dub Band diesen renitenten Reimen mit einer auf den Punkt gespielt Reggae Variante, die ungemein gut ins Ohr geht. So ist es einem manchmal schon etwas unwohl, wenn derartig betroffen machende Texte mit einer so schönen Musik verbunden werden - aber da liegt auch unbestritten der Erfolg Johnsons und seiner politisch aufrechten Musik begründet. Botschaft und Medium vereinen sich auf glückliche Weise zu einem grandiosen Ganzen, dass die Grenzen der britischen Kommune sprengt. Nach all den Klassikern (vermisst wurde „Inglan Is A Bitch“) machten Johnson und der seit zwanzig Jahren mit ihm tourende Bovell noch ein paar Ausflüge in weitere Ebenen jamaikanisch-karibischer Musik, die zwar zweifellos nicht mehr die inhaltliche Brisanz hatten, aber zeigten, dass wenn Dub Poetry und eine, wenn auch unenthusiastische, jedoch brillant spielende Band zusammentreffen, der Qualitätsmassstab hoch angesetzt ist. Das eher untypisch besetzte Publikum - die Roots-Reggae Fraktion tauchte erst gar nicht auf - wusste das wohl zu schätzen und verabschiedete den Grossmeister des politisch korrekten Worts mit einem sehr warmen und herzlichen Applaus.

Zusätzliche Informationen

  • Datum: 25.11.2000
  • Ort: Capitol
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