Thomas M. Ruthemann

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Rinôçérôse

Dass sie ihren Namen einem Psychatriepatienten verdanken, sagt zwar etwas über den Hauptberuf der Gründungsmitglieder, nichts aber über den klar strukturierten, wunderschön dahinfliessenden Sound der Jazz House-Band aus Montpellier. Rinôçérôse beweisen einmal mehr die besonderen Talente französischer Musiker mit eleganten elektronischen Tönen umzugehen. Extrem tanzbare Musik entfaltet sich an diesem Abend im Gig, dem leider einzigen Club der Stadt, der zur Zeit noch moderne Strömungen des Pop widerspiegelt und damit – wie hier – erstaunlich frische, ja unverbraucht wirkende Rhythmen präsentiert. Der eigenwillige Ansatz der Franzosen beweist, dass die Grenzen jedes Genre locker gesprengt werden können, denn House mit Acid Jazz Elementen einschließlich schwer funkigen Gitarrensprenksel und wunderbar versponnenen Flötentönen zusammen zu mixen, ist zweifellos gewagt, schlägt aber ein wie eine (Kalorien-) Bombe. Rinôçérôse ist denn auch nicht wie viele der aktuellen französischen Dance-House-Combos (wie etwa Daft Punk) einem beständigen Beat verhaftet, sondern sorgt für fette Leckereien, die so schmackhaft sind, dass es zu wahren Völlerei fürs Ohr wird. Geradezu zu euphorisch wurden denn auch die Fans alsbald, liessen sich selbst durch einen Totalausfall der Elektrik nicht davon abhalten, den Konzert- zum Tanzsaal zu machen. Eine sichtlich gut aufgelegte Truppe auf der Bühne strahlte trotz des Fehlens jeglicher Zwischentexte so viel Charme aus, dass einem entgegen der stellenweise elegant-kühlen Töne und Takte richtig warm ums Musikherz wurde. Dazu spulte sich im Hintergrund noch eine einfallsreiche und muntere filmische Verstärkung ab, die einen nur noch bestärkte, einen außergewöhnlichen Abend erlebt zu haben.

Zusätzliche Informationen

  • Datum: 11.06.2000
  • Ort: Gig

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