Thomas M. Ruthemann

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James Taylor Quartet

Der große Meister wirkt ganz entspannt – kein Wunder, zwei Monate Europatournee liegen hinter der Band, am letzten Tourtag wird noch mal locker gespielt und den Fans eine ordentliche Party versprochen. Die sollte dann auch kommen, selten hat das Publikum im Gig (im Schnitt deutlich älter übrigens als gewöhnlich) eine furioseres Feuer flinker Hammondtöne zu hören bekommen als an diesem Abend mit The James Taylor Quartet. Ein mehr als muntere Fahrt durch Jahrzehnte der Musik folgt, seien es zum Anfang knackige Mod-Songs mit frechem Sechziger-Flair oder das berühmte „The Theme from Starksy & Hutch“, der Titelmelodie eines Fernsehserie, an die sich zwar kaum noch jemand erinnert, die aber so viel pure Siebziger-Power ausstrahlt, und schließlich fette Soul-Nummern, zu denen sich Hammondkönig Taylor noch gleich eine Königin der Stimme mitgebracht hatte. Da galt wieder das alte Cliche – kleine Frau, große Stimme – denn sie gab dem ungemein mitreißenden Set erst so richtig viel Verve, sorgte zusammen mit der herausragend spielenden Combo für Überschwang im Saal, der das James Taylor Quartet erst weit nach Mitternacht wieder von der Bühne liess. Schweissgebadet traktierte Taylor die alte Hammondorgel, das Lesley kreiste und der Meister des fetten Tons entriß ihr die unglaublichsten Sequenzen, machte deutlich wo Bartel den Sound-Most herholt: aus der Tiefe einer musikalischen Seele, die nicht an der Schwelle ihres Genre halt macht, sondern in einer grossen Geste die Musik der letzten Jahrzehnte umarmt. Fantastisch!

Zusätzliche Informationen

  • Datum: 27.05.2000
  • Ort: Gig
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